Riese

»Die Riesen waren auf Erden in jenen Tagen, und zwar daraufhin, daß die Söhne
Gottes zu den Töchtern der Menschen kamen und diese ihnen gebaren.
Das sind die Helden, die von alters her berühmt gewesen sind.«
1. Mose 6.41
Ob die Familie Riese aus Wennigloh wirklich so illustre Vorfahren beanspruchen darf, konnte bisher leider nicht geklärt werden. Sicher ist jedoch, dass sie über viele Generationen hinweg in Westfalen, im Herzen Deutschlands, als Landwirte – mal als Pächter des vor Ort ansässigen Klosters Wedinghausen,2 mal als freie Bauern – ihr Land bestellten und eine große Sippe hervorbrachten.
Der Name.

Horst Naumann führt den Namen auf »einen großen Menschen« zurück und liefert verschiedene Schreibweisen: »(nd) Reese, Rehse, (mhd) Rise, (mnd) Rese«3 und belässt es dabei. Ein genauerer Blick auf die Nachnamen gibt da schon mehr Informationen und Verständnis. Für Riese nennt Konrad Kunze: »Familie aus Rufnamen« mit Genitivendungen als »Übernamen«.4 Das würde bedeuten, dass die Riesen die Kinder eines sehr großen Menschen waren, was in die gleiche Richtung zeigt, wie es Horst Naumann erklärt. Alternativ führt Kunze aber auch an: »Da die Häusernamen aber viele Motive enthalten […] kommen bei der Herleitung entsprechender Familiennamen ebensoviele Möglichkeiten in Frage: […] bei Riese Herkunft aus Riesa oder große Gestalt […].«5 Selbst eine »Eindeutschung männlicher Fremdnamen« kommt mit Zachharias als Quelle in Frage.6

Als Herkunft mag nun ein Ort wie Riesa – bei Meißen – für die sauerländischen Bauern ein wenig weit weg scheinen. Eine Ableitung als Übernamen eines körperlichen Merkmals erscheint da schon naheliegender, ist sie doch auch ortsunabhängig in ihrer Entstehung. Ein weiteres Indiz für diese Herleitung findet sich in einer Urkunde zu Wennigloh aus dem Jahr 1249. Der Regest von Seiberts gibt den Inhalt wie folgt wieder:7 »1249, überträgt Graf Gottfried III. von Arnsberg vor dem Freigerichte zu Weniglohe dem Kloster Himmelpforten einen Hof in Wiboldinghusen.« Unter den Zeugen nennt die Urkunde dann, »Wrzel et Timo et theodericus nanus de wenenclon.«8 In den Müscheder Heimatblättern geht ein Artikel auf eben jene Stelle ein: »Diese Wennigloher Urkundszeugen können natürlich mit keiner der späteren Wennigloher Familien in Verbindung gebracht werden. Es ist aber sicher, dass sie auf den uns bekannten Wennigloher Höfen gesessen haben. Eine kleine, aber vielleicht gar nicht abwegige Spielerei sei hier erlaubt: In der Dreiergruppe von 1249 steht hinter Theoderich die Bezeichnung „nanus“, die sich zweifellos nur auf Theoderich bezieht (lateinische Einzahlform) und somit der Kennzeichnung dieses Theoderich dienen dürfte. Das lateinische Wort „nanus“ (erhalten im französischen Wort „nain“) bedeutete Zwerg. Nun haben wir später (mindestens seit etwa 1600) in Wennigloh den Hof- und Familiennamen Riese. Sollte der „Zwerg“ Theoderich von 1249 ein mit einem Spitznamen versehener Vorgänger der späteren Wennigloher „Riesen“ gewesen sein? Derartige Spielereien mit Spitznamen sind nicht selten.«9

Der Verfasser des mit „Redaktion“ unterschriebenen Artikels hat sicherlich Recht, eine Zuweisung des Theoderich zur Familie Riese ist nicht gesichert. Eine Herkunft der Wennigloher Riesen nach einem Ahnen mit auffälliger Körpergröße erscheint jedoch sehr wahrscheinlich.

Die Herkunft.

Diese Riesen lassen sich in Wennigloh, Stadt Arnsberg, Hochsauerlandkreis, Nordrhein-Westfalen nachweisen und bewirtschafteten dort einen Hof. Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts in kurzer Folge der Hofbesitzer und seine Frau sterben, endet diese Epoche. Hof und Land werden schnell und billig vom Vormund der minderjährigen Waisen verkauft und die Geschichte der Riesen wird in Arnsberg fortgeführt.

1 Das Bibel-Zitat entstammt der Übersetzung nach Schlachter 1951; http://www.bibel-online.net/buch/schlachter_1951/1_mose/6/#1.
Hof Riese (Schultenhof) zu Wennigloh im Gericht Arnsberg. 1694-1720. Kloster Wedinghausen – Akten im Landesarchiv Münster, Nr. 242.
Horst Naumann: Das große Buch der Familiennamen, o. O. 1999, S. 227.
4 Konrad Kunze: DTV-Atlas Namenskunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet, 2004 München, S. 69.
5 Konrad Kunze: DTV-Atlas Namenskunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet, 2004 München, S. 105.
6 Konrad Kunze: DTV-Atlas Namenskunde. Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet, 2004 München, S. 34.
7 Johann Suibert Seibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen II. 799-1300, Arnsberg 1839, S. 323 (Nr. 259).
8 Johann Suibert Seibertz: Urkundenbuch zur Landes- und Rechtsgeschichte des Herzogthums Westfalen II. 799-1300, Arnsberg 1839, S. 323 (Nr. 259).

9 Erinnerung an Wilhelm Voss-Gerling, Mitverfasser unserer Dorfchronik, in: Müscheder Blätter 37, 2009.

Stammbaum • Personen-Register • Orts-Register • Familien • Name und Herkunft

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.